Die JURA Materials Kies & Beton AG und die Toggenburger AG entwickeln gemeinsam im Rafzerfeld eine neue Bahninfrastruktur für den Antransport von Aushubmaterial. Das Projekt wird zu rund zwei Dritteln von JURA Materials Kies & Beton AG und zu einem Drittel von Toggenburger AG getragen. Ziel ist es, den langfristigen Kiesabbau sowie die umweltgerechte Wiederauffüllung der Abbauflächen sicherzustellen und gleichzeitig grosse Materialmengen effizient auf die Schiene zu verlagern. Das SOB-Kundengeschäft unterstützt die Projektträgerinnen in der Gesamtleitung sowie in der Trassierungs- und Fachdienstplanung und trägt damit wesentlich zur Entwicklung des neuen Gleisanschlusses bei.
Die Anforderungen an die zukünftige Logistik sind anspruchsvoll. Mehrere Züge mit bis zu 20 Wagen, einer Länge von rund 270 Metern und einem Gesamtgewicht von bis zu 2'000 Tonnen sollen künftig täglich Aushubmaterial ins Rafzerfeld transportieren. Mit einer Nutzlast von rund 1'200 Tonnen pro Zug können täglich grosse Materialmengen auf der Schiene transportiert werden. Dies ersetzt bis zu 265 LKW-Fahrten pro Tag und trägt wesentlich zur Entlastung der Strassen bei. Die geplante Anlage ermöglicht die Anlieferung von bis zu 6'000 Tonnen Material pro Tag.
Eine erste Studie untersuchte eine Erschliessung über den Bahnhof Rafz. Die vertiefte Analyse zeigte jedoch betriebliche Einschränkungen und einen hohen Anpassungsbedarf an der bestehenden Bahninfrastruktur, wodurch nur eine begrenzte Anzahl Züge hätte abgewickelt werden können.
Im Auftrag der JURA Materials Kies & Beton AG und der Toggenburger AGhat das SOB-Kundengeschäft deshalb eine neue Lösung entwickelt. Unter der fachlichen Leitung von Ulrich Bosshardt wurden verschiedene Varianten für die Linienführung ab Hüntwangen untersucht. Dabei waren zahlreiche Randbedingungen wie Industriebauten, die Querung der Rüdlingerstrasse, Förderbandanlagen, Werkstrassen, Waldflächen und Schutzgebiete zu berücksichtigen. In einem umfassenden Variantenstudium wurden verschiedene Trasseeführungen entwickelt und hinsichtlich Betrieb, Baukosten, Machbarkeit und zukünftiger Nutzung beurteilt. Ziel war es, eine Fahrbahnlösung zu finden, welche den Anforderungen des Güterverkehrs gerecht wird und gleichzeitig möglichst wirtschaftlich umgesetzt werden kann.
Die gewählte Lösung sieht ein neues Zufahrts-, Annahme- und Umschlaggleissystem vor. Neben den erforderlichen Gleislängen für die Züge waren auch die topografischen Gegebenheiten des Geländes zu berücksichtigen. Durch die Optimierung der Anlage konnten die Neigungen in den Annahmegleisen auf maximal 20 Promille reduziert und damit die betrieblichen Abläufe verbessert werden. Die Anpassungen erforderten zusätzliche Abstimmungen und die Integration von Kunstbauten, Querungen sowie Schnittstellen zu bestehenden Anlagen.
Nach Abschluss der Machbarkeits- und Variantenstudien begleitete das SOB-Kundengeschäft die Projektträgerinnen über Vor- und Bauprojekt bis zur Ausführungsplanung. Das Kundengeschäft unterstützte während sämtlicher Planungsphasen, von der Entwicklung des Gleiskonzepts über die Trassierung bis zur technischen Projektierung und den Genehmigungsverfahren. Dank der systematischen Variantenbewertung konnte eine zukunftsfähige Lösung für die langfristigen Bedürfnisse von JURA Materials Kies & Beton AG und Toggenburger AG erarbeitet werden.
Mit der Baubewilligung und Baufreigabe Ende 2025 startete die Realisierung des Projekts. Die Inbetriebnahme des neuen Aushubgleises ist für Mitte 2027 vorgesehen. Das Gesamtprojekt umfasst Investitionen von rund 25 Millionen Franken und leistet einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Güterlogistik in der Region. Die Zusammenarbeit zwischen JURA Materials Kies & Beton AG, Toggenburger AG und dem SOB-Kundengeschäft zeigt, wie fundiertes Bahnwissen bereits in frühen Projektphasen entscheidend zum Erfolg einer Bahninfrastruktur beitragen kann.
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