Die SOB rüstet sich für die Führerstandsignalisierung (ETCS L2)

Die SOB rüstet sich für die Führerstandsignalisierung (ETCS L2)

Die Südostbahn setzt einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zum Bahnverkehr der Zukunft. Auf der anspruchsvollen Strecke zwischen Biberbrugg und Arth-Goldau untersucht die SOB die Einführung von Führerstandsignalisierung (ETCS L2), die den Bahnverkehr sicherer, effizienter und zuverlässiger machen soll.

Führerstandsignalisierung statt Aussensignale – ein Systemwechsel

Im Rahmen des europäischen Modernisierungsprogramms ERTMS (European Rail Traffic Management System) wird die klassische Signalisierung am Streckenrand schrittweise durch die Führerstandsignalisierung (ETCS Level 2) ersetzt. Alle relevanten Informationen – Geschwindigkeit, Fahrbefehle, Sicherheitsmeldungen – erscheinen künftig direkt im Führerstand des Zuges. Das bringt klare Vorteile: bessere Sichtbarkeit bei Kurven, Nebel oder Dunkelheit, höhere Betriebssicherheit, weniger Störungen, höhere Kapazität auf der Strecke ohne zusätzlichen Gleisbau.

Der Simulator in Goldau – ein Blick hinter die Kulissen

Im Herbst 2025 stand in Arth-Goldau ein hochmoderner Führerstandsimulator im Einsatz. Lokführerinnen und Lokführer, Fachleute des Bundesamts für Verkehr sowie interne und externe Experten konnten dort ETCS L2 auf einer Nebenstrecke intensiv testen. Der Simulator bildete die gesamte Strecke 1:1 ab und ermöglichte realistische Szenarien – von Stresssituationen bis zu überraschenden Ereignissen wie Wetterwechsel oder ungesicherten Bahnübergängen. Das Fazit der Fachleute fällt eindeutig aus: Die Führerstandsignalisierung ist auf einer Nebenstrecke vollumfänglich machbar und bringt klare Vorteile für Sicherheit und Pünktlichkeit. Die detaillierten Ergebnisse der Simulatorstudie werden im Frühjahr 2026 erwartet.

Die Teststrecke: bewusst anspruchsvoll

Die SOB hat die Strecke Biberbrugg–Arth-Goldau nicht zufällig gewählt. Sie gilt als eine der herausforderndsten Linien der Schweiz: steile Abschnitte mit bis zu 50% Gefälle, zahlreiche Bahnübergänge, enge Kurven und eingleisiger Betrieb. Gerade deshalb eignet sich die Strecke ideal, um ETCS L2 unter realen Bedingungen zu testen. Was hier funktioniert, funktioniert überall.

Ein Vorgehen mit Weitblick – bis 2060

Die Erkenntnisse aus dem SOB-Pilotprojekt fliessen direkt in die nationale Planung ein. Das Bundesamt für Verkehr koordiniert den schweizweiten Ausbau von ERTMS bis etwa 2060. Parallel dazu wird das Kommunikationsnetz der Bahn von GSM-R auf FRMCS modernisiert – bei der SOB voraussichtlich bis 2035.

Die Simulatorstudie ist abgeschlossen, der Simulator kehrte zur Herstellerfirma zurück – doch die Strecke bleibt bestehen und wird künftig für die Ausbildung genutzt. Gleichzeitig beginnt die umfassende Modernisierung des gesamten SOB-Südnetzes.

Rapport en français

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